Forum für Weltreligionen
AGORA Vortrag: 21. Oktober - Online

Donnerstag, 21. Oktober 2021, 18.30-20.00 Online

Der "Weg aus dem Haus in die Hauslosigkeit"

Überlegungen zu den religiösen Grundvollzügen
von Umkehr und Einkehr im frühen Buddhismus

Peter RAMERS, Vallendar

Prof. Dr. Peter Ramers lehrte von 1996 bis 2019 als Dozent für Religionswissenschaft, Religionsphilosophie, Geschichte der Philosophie und Naturphilosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule SVD, St. Augustin. Von 2004 bis 2019 war der Prorektor und Rektor der Fakultät. Seit 2021 ist er Honorarprofessor für Religionswissenschaft und Interkulturelle Philosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar.

Seine Forschungsinteressen sind: Buddhologie / Hinduistische Traditionen; Interkulturelle Philosophie; Koinobitische / eremitische Lebensformen in den Weltreligionen; Martin Heidegger und Asien; Friedrich Hölderlin, Martin Heidegger und das Heilige; Johann Wolfgang von Goethe und die Religion/Religionen


Jüdisch-christlicher Glaube und Buddhismus verbindet die Einsicht, dass der Mensch des Umkehrenkönnens als wichtigem Grundvollzug auf dem Weg zum jeweiligen Erlösungsziel fähig ist. Anders als im Judentum und Christentum spielt dabei die „Umkehr zu Gott“ als einem transzendenten Gegenüber im frühen Buddhismus keine Rolle, sondern das „gläubige Vertrauen“ der buddhistischen Asketinnen und Asketen auf den Buddha und seine Lehre und der Entschluss zu einem neuen Lebensstil mit dem Ziel der endgültigen Befreiung, bei dem neben meditativer Versenkung und Einsicht in den vom Buddha gepredigten Erlösungsweg das korrekte, einwandfreie moralische Verhalten von zentraler Bedeutung ist. Zwar muss jede/r letztlich den Weg zur Erlösung allein gehen, jedoch bietet die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, wie sie sich in der Ordensgemeinschaft manifestiert, und die spirituelle Führung und Ermunterung durch erfahrene Mönche und Nonnen eine nicht zu unterschätzende Hilfe auf dem Weg zur Erlösung.

Im Mittelpunkt des Weges der inneren Einkehr im älteren Buddhismus steht primär die Bemühung um die Ausbildung einer gleichmütig-indifferenten inneren Haltung, bei der der Geist frei und unberührt von allem Leid und Glück der Lebewesen den Lauf der Welt ganz neutral betrachten und in einem friedvoll-gleichmütigen Zustand völliger Emotionslosigkeit verharren soll. Zugleich machen die Texte deutlich, dass auch dem frühen Buddhismus altruistische Aspekte nicht abgesprochen werden können, darf doch das Streben der Religiosen nach eigenem Heil keinesfalls zu Lasten anderer erfolgen. Haltungen wie Mitgefühl, Anteilnahme und Fürsorge allen Wesen gegenüber stellen sich auch nicht als automatische Frucht der Erlösung ein, sondern verdanken sich nach dem Zeugnis des Pali-Kanons einer der Goldenen Regel vergleichbaren Überlegung und bilden eine, wenn auch hochgeschätzte, so doch freiwillige „Zugabe“ im Sinne eines „passiven Altruismus“.

Der Vortrag findet online statt:   Link zum Zoom-Meeting hier

 

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