Forum für Weltreligionen
AGORA - Bildungsprogramm des FWR

Herzlich willkommen zur AGORA!

Das Bildungsprogramm des FWR zum interreligiösen Dialog

AGORA ist ein öffentlich zugängliches Vortragsprogramm des FWR. Jedes Semester wird ein zentrales Thema von vier verschiedenen Seiten, meist aus dem Blickwinkel von vier Religionen, beleuchtet. Seit 1994 haben bereits an die 100 Veranstaltungen mit international renommierten Referent(inn)en stattgefunden.

Kooperationspartner: Katholischer Akademikerverband, Magistratsabteilung für Kultur der Stadt Wien.

Nächster AGORA Vortrag 16.Mai 2017
20.04.2017

Nächster AGORA Vortrag 16.Mai 2017

Göttliches Spiel - Tanz und Theater im Hinduismus Vortrag mit Bildern Dienstag, 16. Mai 2017, 18.30-20.00 Univ.-Prof. Dr....
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AGORA - Programm SS 2017
26.02.2017

AGORA - Programm SS 2017

DER SPIELENDE MENSCH IM KULT DER RELIGIONEN Ort: Otto-Mauer-Zentrum, Währingerstraße 2-4, 1090 Wien. Zeit: 18.30-20.00  AGORA Sommersemester 2017  ...
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Hintergrundpapier für WS 2016/17:

STRAFE IN PRAXIS UND THEORIE DER RELIGIONEN

„Den holt die Zeit ein“. „Aus Schaden wird man klug“. Übersehene (ignorantia legis non excusat) bzw. bewusst überschrittene Sperrlinien haben ihre Folgen. Jede, auch unbedachte, Tat hinterlässt ihre unausdenkbaren, unauslöschlichen Spuren. Im Hindubereich durch Dharma und Kharma in der unausbleiblichen Samsara (ist sie schon eingetreten? Ausgelaufen?). Eine zeitweise Enthobenheit vom Gesetz des Alls gelingt durch die Yogaübung als eine bedachte Ausnahme von einem unabänderlichen Gang der Dinge, die keine Abdrücke hinterlässt. Die vorläufige Straflosigkeit hat nachkommende Folgen, die achtsame Ausnahme unachtsamen Lebensleides verläuft in Scheinbarkeiten. Samsara bedeutet die  einholende Wirklichkeit ohne erkennbare eigene Trägerschaft: Ignorantia non praevenit…

Im monotheistischen Bereich: Warnende Zeichen im Voraus gibt es da, einprägsame in Nachhinein. Nicht nur eine betreffende Sache meldet sich zu Wort (res clamat) , auch  Personen tun es, die uns Umwelt vermitteln und die in den verschiedenen  Lebenskreisen ihre ansteckenden Ausläufer haben. Wir alle sind durch gute und böse Freiheitsdaten betroffen.  Einzelnen und Gesellschaften machen sie sich, je nach inneren und äußeren Einwirkungen bemerkbar. Menschen sind in passiver und aktiver, empfangender und abgebender Verwobenheit befangen: Durch zu viel, zu wenig an Richtigem und Falschen, per excessum vel defectum, wobei die Kompensationsmöglichkeiten jeweils beschränkt sind. Das Gute möglichst zu tun, ist uns aufgetragen (unbegrenzbar?), das Böse unbedingt zu meiden (so eindeutig festlegbar?) ist geboten. Sind Pflichtenkodizes und Verbotslisten überhaupt vergleichbar? „Nicht wie die Sünde, so die Begnadigung“ Röm 5,15).  Ein Fehltritt, ein Tropfen Gift im Fass, ein Sandkorn im Getriebe.. einerseits. Ein Schritt am rechten Weg andererseits (G.K. Chesterton)- führt in die Freiheit unendlicher Möglichkeiten. Mit vielfältigen und bleibenden Früchten als Folgen. 

Es gibt aber eine letzte Instanz, die absoluter verschwendender Geber (Schöpfer) und erwartender Empfänger (Richter) ist: Gott. Lohnender, strafender je nach Seiner „Laune“? Geduldig wartend, ungeduldig eifernd, unwillig strafend, nachstoßend rächend. Er droht, zürnt, tobt, um schließlich zu vergeben. Darf der Mensch Sein Urteil vorausnehmen- als eines Warners, Strafenden? Inwieweit ist Seine Autorität auch ad emendationem zu strafen befugt oder dazu, drohenden Schaden verhindern (Freiheitsentzug, Sterilisierung, Nahrungsbeschränkung etc.)

Gott als Berechnender, Wägender? Nicht eher als überschwänglich Liebender, Eifernder, Enttäuschter? Es brechen Begriffe auf, die streng personal zu deuten sind. Dem liebenden Beter der Psalmen ist schon ein Gesichtszug, eine Handbewegung, ein Wort des Herrn Lohn, Strafe jedenfalls Anlass zu beglückender Freude oder zerknirschter Reue. „Wohin sollt` ich fliehen vor Deinem Angesicht?“(Ps )  Der leidenschaftlich Suchende- als hätte er Sein Kostbarstes verloren- er ruht und rastet nicht, bis er Sein Herzstück gefunden hat. Ezechiels Bilder von einer in der Gosse Geborenen, die aufgehoben, angenommen, erzogen, umworben und als königliche Braut heimgeführt, ja mit dem Hohelied der schwärmenden Jugendliebe gefreit wird  Hier wird Strafe in einer sehr anderen Dimension dargestellt. Das Einzigartige wird exemplifiziert, das Unverhältnismäßige wird in die Mitte gerückt: Wen Gott liebt, den züchtigt er, -vielleicht am Nachhaltigsten dann, wann er ihm Anteil an Seiner eigenen Empfindsamkeit gibt. Doch kleistern Krankheit, Seuchen, Krieg, Gefangenschaft, Folter nicht eher an die Oberfläche? Donnerwetter, aufgewühlte brausende See- und dann die große Stille haben etwas Bannendes, Lähmendes. Durch verschlossene Türen: Friede sei mit Euch, komm her, Thomas!- man ist bereits am Ufer.         

Liebeserweis und Liebesentzug als Lohn und Strafe unter Voraussetzung menschlicher Empfindsamkeit, in staunender und überwältigter singulärer Betroffenheit.