Forum für Weltreligionen
AGORA Sommersemester 2021

 

RELIGION UND POLITIK

Der säkulare Staat und seine Religionen

Sommersemester 2021

                                      

Aufgrund der "Corona"-Maßnahmen werden die Vorträge bis auf weiteres ONLINE abgehalten.

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Semesterprogramm zum Ausdrucken

 

Di 9. März 2021  18.30 

Gerhard Luf, Wien

Der säkulare Staat der Moderne als Herausforderung der  politischen Theologie

 

Di 6. April 2021  18.30

Ednan Aslan, Wien               

Das Werden des islamischen Gottesreiches und die Integration der Kulturen seiner Völker. Muslime im pluralistischen säkularen Staat der Moderne

 

Di 4. Mai 2021 18.30 

Borayin Larios, Wien   

Der indische Subkontinent und seine vielen Bewohner im Strom seiner religiösen Traditionen. Ein universales Heilsangebot an die gesamte Menschheit

 

Di 1. Juni 2021 18.30

Karl-Heinz Pohl, Trier

Der Konfuzianismus: Grundlage einer chinesischen Identität und seine Renaissance im heutigen China

 

Zum Semesterthema

Das B. Brecht´sche Motto: „Zuerst das Fressen, dann die Moral“ verstösst mehrfach gegen die Menschlichkeit. Zunächst unterscheidet sich der Mensch aus seinem Urtrieb vom Raubtier. Es schlingt nichts Rohes und sauft nichts Verdorbenes, sondern bereitet Mähler mit Gekochtem und Vergorenem. Sodann aber bringt er stets eine Erstlingsgabe dar: Den ersten Schluck, den ersten Wurf, die erste Feld- und Gartenfrucht bringt er dem Geber alles Guten dar. Dazu facht er Feuer an, heiligenden Brand am Herd und farbenschenkendes Licht im umzäunten Schutzbereich der Wohnhöhle. Wer aber wandelt Rohes und Dumpfes und erhält damit das dargereichte und vorbehaltene Leben? „Von vorne und hinten umfängst Du mich.“

Ist Menschenleben nicht doch zur Gestaltung der Welt gegeben? Wird die wilde Welt nicht durch ihn erst Kult- und Kulturraum. Spart er nicht das göttliche Fanum aus seinem menschlichen Profanum? Wird er aus dem Heiligtum entlassen, entsandt oder erhebt er nicht am heiligen Ort den Bau, die heilige Feier und Feste erst aus sich? Wäre dann nicht heiliger Geschichtsraum, Kultstätte, Kirchenbau erst von ihm aus entschlossen und aufgeführt? Mancupatus und Frevel oder Emanzipation und Heiligung, Anerkennung der Gesellschaft und des Staates von den Religionen aus oder umgekehrt? In die Welt gestoßen, abgenabelt, um wieder heimzufinden- doch mit jeder Bewegung mehr auf sich gestellt zu sein. Sprechen lernen, um Wort zu führen. Es gibt keine religiöse Vereinnahmung der Welt, vielmehr erwachsen aus dieser Welt freie Opfergaben, zunächst wohl mit Menschen zu teilen. Barmherzigkeit will ich nicht Opfer!

Israel hat im Großreich Ägypten oder Persien, später Rom unter staatlicher Vorherrschaft, doch nie unter Vormundschaft gelebt. Es wusste es genau, wie sehr der Pharao oder Großkönig, Imperator oder Kaiser von Gott abhängig waren. „Du hättest keine Macht über mich, wäre sie dir nicht von oben her gegeben!“(Jo19,11). Jesus unterwarf sich der Staatsgewalt ebenso, wie er sein Leben lang dessen Steuerhoheit anerkannte. Kaiser und Gott sind in dieser Welt gespaltete Gewalten. Jus divinum et jus profanum haben keine Rangordnung, sie stehen gleichzeitig und zwar nebeneinander.

In dieser Welt ist der verfassungswechselnde Staat jener Souverän, der die Religionen in ihrem Eigenrecht anerkennt und sie gleichrangig mit jenen ethischen Werten betraut, die er zur Erstellung und Durchsetzung der Menschenrechte benötigt.   

 

In Kooperation mit: Otto Mauer-Zentrum - Forum Zeit und Glaube 1090 Wien, Währingerstr. 2-4