Forum für Weltreligionen
AGORA Sommersemester 2020

Sommersemester 2020:

                                          Ort: Otto Mauer-Zentrum - Forum Zeit und Glaube
                                        1090 Wien, Währingerstr. 2-4, Mezzanin, (U2 Schottentor)

 

GRENZERFAHRUNGEN ALS THEMA DER RELIGIONEN

 

Di 10. März 2020 Karl-Heinz Pohl, Trier   

Die Welt als gemeinschaftlicher Besitz

China zwischen Konfuzianismus, Marxismus und Demokratie

 

Di 7. April 2020 - Bertram Schmitz, Jena     Aufgrund der "Corona"-Maßnahmen abgesagt

Die qu´ranischen Voraussetzungen und hermeneutische Vorbehalte einer universalen Mission

 

Di 6. Juni 2020 - Borayin Larios, Wien

Übergange oraler Traditionen in die Schriften der Hinduwelt

– Hindunationalismus und die religionsplurale Gesellschaft

 

Do 25. Juni 2020 - Katrin Kogman-Appel, Münster                Ort: Votivpfarre, Rooseveltplatz 8, 1090

Wissen um den Kosmos unter Juden Iberiens im 13. Jahrhundert

 

Bitte beachten:

Der Mai-Vortrag wurde aus terminlichen Gründen verschoben – im Juni werden zwei Vorträge stattfinden

 

Zum Semesterthema

Religionen sind dazu gegründet, friedliche und fruchtbare Lösungen letztlich mit der Spannung ontologischer Differenz zu stiften. Man spricht dann von Angrenzungen, Analogien, die zur Alterität führen. Unterschiede machen neugierig, locken zu Entdeckungen, führen zu Forschungen. „Variatio delectat“ (Abwechslung macht glücklich) sagten die alten Römer und meinten dabei nicht nur Speisepläne, Zirkusspiele oder ausgelassene Festlichkeiten. Überdies bringt Vielfalt innere Befruchtung und Bereicherung. Liegt darin nicht auch die Seligkeit der Liebe, statt dem Fluch eines monomanen, sterilen Autismus?

Selbstüberschreitungen dienen nicht der billigen Einebnung oder angriffigen Zerstörung des Anderen. Im Gegenteil haben sie staunende Ehrfurcht vor einer ebenbürtigen, vielleicht sogar Achtung gebietenden Andersheit. Denn sie selber erfahren in ihrem Vollzug ihre eigene, neue dh. Zukunft verheißende Identität. Meist sind es bedachte und wohl gesetzte Schritte. Manchmal müssen es aber eilende (nicht hastende), drängende Läufe samt Sprüngen sein! Jener Papst, der nach ihrer langen selbstgewählten Isolationshaft mit notorischer Sperrung gegen Neues im „Anti“(-modernismus) das Wagnis eines verbindenden, erlösenden „Dia“(-loges) zum Programm der Kirche wagte, pflegte von einem „balzo avanti“ (Sprung nach vorwärts, Hüpfen des Tanzes) zu sprechen.

Langeweile, Faulheit ist die Mutter aller Laster und Verkehrungen. Religionen suchen nicht einfach Unterhaltung zu bieten - solche sind allzu schnell öd und fade. Es geht ihnen vielmehr um das Urbild des Andersseins, den erhabenen Heiligen. Das Bekenntnis zum Geheimnis der Erlösung erfordert radikales Zurücklassen, um absolute Zukunft („Bettler des Absoluten“ Leon Bloy) zu finden. Erst hinter diesem Horizont des jenseitigen „Gottesreiches“ gibt es auch gültige Werte, ergiebige Beziehungen, eheliche Bünde im Diesseits dieser Welt. Ist Grenzüberschreitung - bei aller göttlichen Zuvorkommenheit für den Menschen - ohne Entgegenkommen dieses Gottes möglich?