Forum für Weltreligionen
Nächster AGORA Vortrag: 12. Dezember

Donnerstag, 12. Dezember 2019, 18.30-20.00

Das Verhältnis von buddhistischen Laien und buddhistischen Profis in Vergangenheit und Gegenwart

Das Problem des Exklusivitätsanspruchs des buddhistischen Klerus auf die alleinige religiöse Deutungsmacht

Dr. Peter RAMERS, St. Augustin / Bonn

Der Buddhismus hat seit den Tagen des historischen Buddha (5./4. Jh. v. Chr.) entscheidende Transformationen durchgemacht, die u.a. auch die Pflichten, die Ziele und die Identität der buddhistischen Laien sowie das grundsätzliche Verhältnis von Laienanhängern (upāsaka) und -an­hän­gerinnen (upāsikā) und „hauptberuflich“ Praktizierenden, hier vor allem den Mönchen, betreffen.

Beginnend mit einer Reinterpretation des Buddhismus im 19. und 20. Jhd. („Protestantischer Buddhismus“), in deren Rahmen Laienbuddhisten Sri Lankas dem buddhistischen Klerus den Exklusivanspruch auf die alleinige religiöse Deutungsmacht streitig machten, und der Herausbildung eines engagierten Buddhismus kam es zu kreativen Neuinterpretationen des Buddhismus mit einer tendenziellen Abwendung von der institutionell-klösterlichen und traditionellen Religiosität hin zu einer persönlich-individuellen Religiosität jenseits des althergebrachten Rollenmodells – ein Paradigmenwechsel, der allerdings nach wie vor von zeitgenössischen, konservativen Kreisen der buddhistischen Ordensgemeinschaft heftig kritisiert wird.

Inzwischen befindet sich der Buddhismus in Europa mitten in einem Umbruchsprozess, der darauf abzielt, buddhistischen Laien ähnliche oder sogar gleiche Rechte wie Ordinierten einzuräumen. Der westliche Buddhismus ist auf dem Weg der Abkehr von der alten Mönchsreligion und ihren Hierarchien, was zu einer Demokratisierung des Heils und der buddhistischen Strukturen führen wird.

 

Ort: Otto Mauer-Zentrum - Forum Zeit und Glaube

1090 Wien, Währingerstr. 2-4, Mezzanin, (U2 Schottentor)
 
 

 

Donnerstag, 14. November 2019, 18.30-20.00

Allah und sein vielfältiger Hofstaat

Anführer und Verführer der Menschen

Dr. Peter ANTES, Hannover

 

Der Glaube an die Existenz der Engel gehört für den Koran und die Muslime zu den Grundaussagen des islamischen Glaubens. Neben dem Bekenntnis zu dem einen und einzigen Gott, den Offenbarungsschriften und den Gesandten sind die Engel Teil des Grundbestandes des Glaubens (vgl. Sure 2, 285). Der Hinweis darauf eröffnet einen Blick in die jenseitige Welt, die normalerweise verborgen ist. Gott nämlich der absolut Transzendente (vgl. Sure 57,3) allen menschlichen Blicken entzogen (vgl. Sure 6,103), selbst das Paradies ist kein Sein bei oder mit Gott, auch dort zeigt sich Gott nur wem und wann er will.

Trotz Gottes unbestreitbarer absoluter Transzendenz gewährt der Koran an der einen oder anderen Stelle durch Aussagen über die Engel einen flüchtigen Blick in diese unzugänglich verborgene Welt Gottes. Zudem ist dort des öfteren auch vom Teufel und den Dschinn die Rede, einer weiteren Sphäre der unsichtbaren Welt, die mit Blick auf ihre Vielfalt hier durch den Begriff vom „Hofstaat“ angedeutet  und nun im Einzelnen besprochen werden wird.

 

Ort: Otto Mauer-Zentrum - Forum Zeit und Glaube

1090 Wien, Währingerstr. 2-4, Mezzanin, (U2 Schottentor)
 
 

 

Dienstag, 8. Oktober 2019, 18.30-20.00

Zwischen Freiheit und Gehorsam

Zu einer Neubewertung des I. Vatikanischen Konzils

Dr. Peter NEUNER, München

Vor 150 Jahren begann das Erste vatikanische Konzil (1869/70). Es war geprägt von den Erfahrungen, die die katholische Kirche mit der Französischen Revolution gemacht hatte. Deren Ideale Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren bald überdeckt worden von einem wahren Blutrausch der Massen. Angesichts der Septembermorde 1792 von mehr als 1200 Gefangenen, darunter 300 Priestern, und der 1793 vom Parlament beschlossenen Abschaffung des Christentums ist es nicht unverständlich, dass die Päpste in der Forderung nach Freiheit und Gleichheit die Ursache für diese Gräuel erblickte. So kam es im 19. Jahrhundert zu einer Reihe von verhängnisvollen Verurteilungen der Ideale der Neuzeit. Im Syllabus (1864) verurteilte Papst Pius IX. global die Überzeugung, die Kirche müsse sich mit den Prinzipien der Moderne aussöhnen. In diesem Sinne hat das Erste Vatikanische Konzil Autorität und Gehorsam als Grundstrukturen des Glaubens festgeschrieben. Seine Dogmen über Primat und Unfehlbarkeit des Papstes erschienen gleichsam als Gegenentwürfe zu den Idealen der Moderne.

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) folgte einer völlig veränderten Grundstimmung. Nicht mehr die Abkehr von der modernen Welt bestimmte das kirchliche Denken, die Zeichen der Zeit und die Herausforderungen der Geschichte erschienen als der Rahmen, innerhalb dessen die christliche Botschaft neu formuliert werden muss. Allerdings hat es auch die Dogmen von 1870 wiederholt, und sie dominierten die nachkonziliare Geschichte der Kirche vielleicht mehr, als die Neuansätze des Zweiten Vatikanums. Theologie und Kirche stehen heute vor der Frage, ob und wie die Herausforderungen der Moderne zu einer Neuinterpretation der Beschlüsse des Ersten Vatikanums führen können.

Achtung Ortswechsel: Saal der Votivpfarre, Rooseveltplatz 8, 1090 Wien