Forum für Weltreligionen
AGORA Vortrag 10. April 2018

Dienstag, 10. April 2018, 18.30-20.00

DAS CHRISTENTUM ALS STADT- UND BILDUNGSRELIGION UND SEINE „LANDBEVÖLKERUNGEN“

Hoher inhaltlicher Anspruch – (alte und neue) Volksfrömmigkeiten – (post)säkulare Gesellschaft

Univ. Prof. Dr. Christoph NIEMAND, Kath. Theol. Privatuniversität Linz

Die ursprünglichen Lebensformen und die Inhalte einer Religion hängen zusammen. Was aber geschieht mit einer Religion, wenn sich ihre Umweltbedingungen stark verändern? Und inwiefern wirken sich Entwicklungen in der sozialen Schichtenzugehörigkeit und im Bildungsniveau der Mitglieder auf diese Religion aus?

Wer das Christentum betrachtet, wird die hohe Komplexität und kritische Intellektualität seiner Inhalte konstatieren müssen. Deshalb mag es verwundern, dass die Kirche für lange Jahrhunderte und in vielen Weltgegenden in die Position kam, gleichzeitig herrschende Staatsreligion wie flächendeckende Volksreligion zu sein. Aber war sie eigentlich dazu „geeignet“? Was hat die erfolgreiche „Karriere“ mit dem Christentum gemacht? Und vor allem: Wie werden sich in den kommenden Jahrzehnten die gleichzeitigen und widersprüchlichen Megatrends von „Säkularisierung“ und „Rückkehr des Religiösen“ auf die innere Verfasstheit christlicher Gemeinden auswirken?

Der Vortragende ist kein Experte für Religionssoziologie oder Pastoraltheologie, sondern Neutestamentler. Kann dann seine Fachperspektive aber überhaupt etwas zur Frage beitragen, welche gesellschaftlichen Orte die Kirchen von morgen einnehmen werden? Seine These mag überraschen: Da das Christentum – wie anhand einiger Fallbeispiele gezeigt werden wird – eine extrem anspruchsvolle Bildungsreligion ist, wird es „erfolgreich“ sein, wenn es diese seine Grundverfaßtheit wieder zu seiner Stärke macht. Deshalb und in  Abwandlung eines berühmten Satzes von Karl Rahner: Der Christ der Zukunft wird ein Intellektueller sein oder er wird gar nicht mehr sein!

Ort: Otto Mauer Zentrum, Währingerstr. 2-4, Mezzanin, 1090 Wien


Dienstag, 13. März 2018, 18.30-20.00

WÜSTENHEILIGTÜMER - JERUSALEMER TEMPELKULT - SYNAGOGENLITURGIE

Die Entwicklung der Religion Israels von einer nomadischen Naturreligion über den judäischen Staatskult hin zu synagogalen Diasporagemeinden

 Univ. Prof. Dr. Andreas VONACH, Universität Innsbruck

Die hebräische Bibel stellt die ersten kultischen Aktivitäten des Gottesvolkes Israel als auf selbst gebauten Brandopferaltären von Privatpersonen vollzogene Opferhandlungen dar.

Religionsgeschichtliche und archäologische Befunde belegen die Existenz von Höhenaltären und Höhenheiligtümern, die sowohl von der nomadisch geprägten als auch von der ländlichen, in kleinen Dörfern lebenden Bevölkerung der Levante aufgesucht wurden, um dort den Göttern zu opfern. Die Bibel erwähnt zahlreiche solche auch noch in der Eisenzeit („Königszeit“) gern aufgesuchte Kulthöhen.

Die endgültige Zentralisierung des Kultes auf den Tempel in Jerusalem dürfte ein Produkt der Exilstheologie sein; ob das „Zeltheiligtum“ des Exodus einen „wahren Kern“ besitzt, ist umstritten, für das weitere Selbstverständnis Israels aber jedenfalls von zentraler Bedeutung.

Die Ausprägung heutiger jüdischer Diasporagemeinden hängt zum einen vom Grad der „Orthodoxie“ der Gemeindeglieder, zum anderen von deren Assimilierungsgrad ab.


Ort: Otto Mauer Zentrum, Währingerstr. 2-4, Mezzanin, 1090 Wien